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Nordseelauf
Derzeit kann man aus der Lektüre unserer Laufberichte den Eindruck gewinnen, dem PSV genügen schlichte Halb- oder Marathonläufe nicht mehr. Es muss mehr sein. Ganz so ist es im Durchschnitt nicht, aber trotzdem sammelt sich so die eine oder andere Besonderheit an in den letzten Wochen. So auch Thomas besondere Laufwoche im Norden. Er berichtet:
Eine besondere Laufveranstaltung stellt der in jedem Jahr stattfindende Nordseelauf dar. An der deutschen Nordseeküste erfolgen an 8 Tagen an verschiedenen Orten zwischen Emden und Wilhelmshaven 7 Läufe mit einer Länge von rund 10 Kilometern mit einem Pausentag zwischendurch. Alle 4 Jahre mutiert der Nordseelauf zum Insellauf, der das Highlight dieser Serie darstellt. Sind doch in diesem besonderen Jahr die 7 ostfriesischen Inseln die 7 Austragungsorte für die Läufe. 2026 ist ein solches Jahr. Ich hatte diesen Insellauf schon lange auf dem Schirm und stets eingeplant, an diesem einmal teilzunehmen. Vereint der Insellauf doch
meine Begeisterung für den Laufsport mit meiner Sympathie für die norddeutschen Küstenlandschaften.
Nach der Freischaltung der Anmeldung im Dezember 2025 war der Lauf binnen 2 Wochen mit 600 Läufern, zu denen ich gehöre, komplett ausgebucht. Für die Teilnahme gibt es 2 Optionen, entweder das all-inclusive-Paket, bei dem sich der Veranstalter um Läufe, Fähren, Bustransfers zu den Häfen und Quartier kümmert oder die sogenannte Selbstversorger-Variante, bei der lediglich Läufe und Fähren gebucht sind. Ich hatte mich für die zweite Alternative entschieden, was ich am ersten Tag beinahe bereut hätte, mehr dazu später.
Am 19. Juni machte ich mich bei tropischen Temperaturen auf den Weg an die Nordsee. In Bensersiel konnten die Startunterlagen abgeholt werden und es gab bei einer Auftakt-Veranstaltung letzte Informationen zu der Laufserie. Am Samstag, den 20. Juni war es dann endlich so weit, der erste Lauf der Serie auf der Insel Borkum. Der Morgen hatte es dann in sich. Nach einem tropischen Tag auch an der Nordseeküste hatte es in der Nacht ein heftiges Gewitter mit Starkregen gegeben. Wegen der Hitze hatte ich ihn meinem Bus mehrere Fenster geöffnet, die ich beim Einsetzen des Gewitters in Windeseile geschlossen habe – bis auf eins. Das bemerkte ich aber erst nach dem Aufstehen, die bereit gestellten Schuhe waren tropfend naß. Aber man(n) hat zum Glück mehrere Schuhe dabei. Unangenehmer war die zum Glück früh eintreffende Nachricht, dass der gebuchte Zug nach Emden ausfallen würde. Auto war keine Alternative, da die Schranke des Campingplatzes zu spät öffnen würde. Wieder einmal erwies sich das Fahrrad als zuverlässiges Verkehrsmittel. In aller Eile habe ich dieses zur Abfahrt fertig gemacht, den Rucksack hatte ich bereits am
Vorabend gepackt und so habe ich die 41 km zum Fähranleger an umgestürzten Bäumen vorbei und auf mit Ästen übersäten Radwegen mit dem Rad zurück gelegt und war 10 Minuten vor Abfahrt der Fähre dort.
Die Veranstaltung ist hervorragend organisiert. Das Orga-Team reist erst mit der Fähre gemeinsam mit den Läufern an, baut vor Ort den Start- und Zielbereich auf, markiert die Strecke mit Pfeilen und Schildern und jeden Kilometer. Unterstützung kommt jeweils von örtlichen Vereinen und Organisationen. Folge dieser Logistik ist natürlich, dass die Läufe stets mittags starten, da ja auch alles wieder abgebaut und verstaut werden muss bis zur Rückfähre. Mittagszeit heißt aber auch die wärmsten Temperaturen des Tages und dies bei der derzeitigen Hitzeperiode, die den Norden aber nicht ganz so intensiv trifft. Die Stimmung unter den Läufern ist gewaltig, viele kennen sich von mehrfachen Teilnahmen. Vor den Läufen werden von Trainern Warm-ups angeboten in drei Leistungsstufen. Wenn sich dann alle 600 Läufer im Startbereich befinden, werden noch lautstark zwei Lieder gesungen, darunter natürlich „An der Nordseeküste…“. Mit Höhenmetern kann keine der Strecken aufwarten, der teilweise starke Wind lässt sich nicht klassifizieren, aber es herrscht ein sehr freundschaftliches Miteinander und so finden sich zahlreiche Grüppchen, die sich ablösen, um Windschatten zu bieten. Wenn schon Küste, dann dürfen auf den Strecken natürlich auch keine Trails durch Dünenlandschaften fehlen und die beliebten Passagen an den Stränden. Natürlich laufen dann alle an der Wasserlinie, aber die Strände auf den Inseln sind riesig und gelaufen wird bei Ebbe, bei Flut gehen die Fähren.
Ich schreibe diese Zeilen an dem Pausentag, also nach drei Läufen. Nach der Insel Borkum am ersten Tag folgten Norderney und Baltrum. Am ersten Tag kam ich nicht in meinen Rhythmus und fühlte mich müde. Das wurde am zweiten und noch einmal am dritten Tag deutlich besser. Aber es gilt bei dieser Serie ohnehin mehr der olympische Gedanke: das Dabeisein zählt."
Fortsetzung folgt!
